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Das Tragen eines Säuglings - eine kindgerechte Betreuungsmethode mit vielen positiven Effekten
Evelin Kirkilionis, Forschungsgruppe Verhaltensbiologie des Menschen (FVM) Auszug aus: Laktation und Stillen 3/2000 - Fachblatt für Still-und Laktationsberatung |
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Sein Kind frühzeitig aufrecht zu tragen gefährdet aufgrund dieser Erhebung keineswegs die kindliche Gesundheit. Vielmehr sollten Eltern auf positive Wirkungen des Tragens aufmerksam gemacht werden, vorausgesetzt, sie wählen eine geeignete Tragemethode. Inzwischen gibt es eine Vielzahl von Tragebeuteln, die teils jedoch keineswegs den anatomischen Gegebenheiten eines Säuglings entgegenkommen. Ob von Anfang an aufrecht sitzend oder zunächst liegend getragen, Eltern müssen auch auf die kritischen Punkte der verschiedenen Tragemöglichkeiten hingewiesen werden. Es gibt eindeutige Kriterien, die Eltern an die Hand gegeben werden können. In den ersten Lebenswochen liegend oder aufrecht tragen, das ist eine Frage, die Eltern selbst entscheiden müssen. Wird zunächst liegend getragen, sollte spätestens sobald das Baby so groß ist, dass die Gefahr besteht, die seitlich über den Körper des Erwachsenen herausragenden Beinchen oder vor allem das Köpfchen anzustoßen, sicherheitshalber zu einer anderen Trageweise gewechselt werden. Ein Baby liegt außerdem immer in einer leichten seitlichen Biegung im Tragetuch. Hier sollte darauf geachtet werden, falls der Säugling eine etwas ausgeprägtere seitliche (keineswegs auffällige) Vorzugshaltung hat, diese nicht zusätzlich zu unterstützen, sondern etwas gegenzuarbeiten. Beim aufrechten Tragen sind zwei wichtige Punkte zu beachten: Einmal müssen die Beinchen mindestens bis zum rechten Winkel angehockt sein - besser noch etwas stärker - und der Rücken des Kindes muss hinreichend gestützt werden, denn das Baby darf nicht in sich zusammensinken. Das bedeutet, es muss eng eingehüllt sein, damit es sich an den Körper der Eltern anlehnen und so aufrichten kann (Kirkilionis 1999). |
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Tragetücher und andere Tragehilfen Tragetücher sind sicherlich am variabelsten einsetzbar und die Anzahl der Bindetechniken nahm in den letzten Jahren zu. Ob liegend oder aufrecht sitzend, frontal getragen, auf der Hüfte oder auf dem Rücken, es gibt inzwischen immer mehr Bindemöglichkeiten. Unerfahrene Eltern sind für Rat und Tat dankbar, einmal um die für ihr Kind und für sie selbst richtige Bindetechnik herauszufinden, was mit vom Alter des Babys abhängt. Natürlich ebenso, um ein geeignetes Tuch zu finden und es richtig zu binden. Jede Falte des Tragetuchs muss das Kind eng umschließen und gegebenenfalls nachgezogen werden. Hier kann ein ungeeignetes Tuch den Eltern schnell die Freude am Tragen nehmen, wenn z.B. das Material kaum einen guten Knoten zulässt, der richtig sitzt. Oder aber der Stoff gibt insgesamt nach, bzw. das Ganze gerät bei jeder Bewegung des Kindes außer Fasson, so dass völlig neu gebunden werden muss. Bei solchen Komplikationen vergeht den Eltern sehr schnell die Lust, ein Tragetuch zu verwenden. In Hebammenpraxen, in denen erfahrene Anwenderinnen Eltern den Gebrauch von Tragetüchern oder anderen Tragehilfen während der Geburtsvorbereitung vorstellen, kann man davon ausgehen, dass ein Großteil der Eltern später tatsächlich ihre Kinder auch tragen wird. Die Meinung der Geburtsvorbereiterin oder Hebamme spielt eine äußerst wichtige Rolle, manche Eltern werden überhaupt erst durch sie dazu angeregt, sich mit dieser Betreuungsmethode zu beschäftigen. Informationen über die Vorteile für die kindliche Entwicklung sind ebenso wichtig wie praktische Aspekte. Die im Vergleich zum Kinderwagen größere Bewegungsfreiheit ist offensichtlich. Aber auch anderes sollte erwähnt werden, z.B. kann im Tragetuch, vor allem bei der Wiege-Trageweise, problemlos und diskret gestillt werden. Je nach gewählter Bindetechnik kann ein schlafendes Kind mehr oder weniger einfach mitsamt dem Tuch abgelegt werden, ohne es zu wecken. Diese Vorteile gelten auch für die inzwischen auf dem Markt befindlichen Hilfen, die einem Tragetuch nachempfundem sind; durch besondere Verschluss-, Ring- oder Knotentechniken, verbunden mit einem eigenen Zuschnitt, ist das Einpacken des Kindes vereinfacht. Durch einen Griff kann man die Knoten wieder lösen bzw. den Verschluss lockern und das Tragesystem öffnen. Doch hier gibt es einige ungeeignete Produkte. Durch Ausprobieren können die Eltern aber leicht herausfinden, ob das Baby in der Hilfe richtig sitzt, und sie selbst das Tragen als angenehm empfinden. Wichtig wie immer, die Beinhaltung des Säuglings muss stark angehockt sein und der Rücken fest umschlossen werden. Gerade der letzte Punkt ist meist der kritische. Z.T. erlaubt die einzige Schnalle nur, die Tragehilfe insgesamt etwas zu verkleinern oder zu vergrößern und nicht, den Bereich im Rücken des Kindes gesondert zu verengen. Das ist zumeist nötig oder wird es zumindest wegen des doch rapiden Wachstums eines Säuglings bald. Ein Ringsystem z.B., durch das die Stoffbahnen vom kindlichen Rücken hindurchlaufen, ermöglicht, jede Falte einzeln nachzuziehen, wenn sie zu locker ist. Oder aber mittels eines Zweiknotensystems können die den Rücken stützenden Stofffalten zusammengerafft und eingebunden werden, so dass der kindliche Rücken ausreichend unterstützt wird. Bei kleinen Säuglingen können die Tragehilfen durch Umschlagen der Kanten zusätzlich angepasst werden. Da diese Hilfen einem Tragetuch nachempfunden sind, lassen sie verschiedene Trageweisen zu, sowohl liegend als auch sitzend, mehr nach vorne verschoben oder seitlich, was ja bei einer drohenden Hüftdysplasie günstiger ist. |
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| In Tragebeuteln oder -säcken, in die man Babys meist recht einfach einpacken kann, können Kinder frontal vor dem Körper oder auf dem Rücken getragen werden. Vor allem Väter können sich oft nicht mit einem Tragetuch oder einer ihm ähnlichen Hilfe anfreunden, ihnen steht eher der Sinn nach etwas "perfekter" und "fertiger" Aussehendem. Sie greifen lieber zu diesen Tragesäcken, doch hier ist eine gründliche Information und eine kritische Begutachtung wichtig. Denn der Großteil der im Handel erhältlichen Produkte unterstützt nicht die stark angehockte Beinhaltung oder verhindert sie sogar aufgrund der Machart. Eine ungeeignete Beinstellung ist eigentlich leicht erkennbar. Auch den Rücken stützen die meisten Tragebeutel nicht ausreichend - oder schlimmer, aufgrund der gestreckten Beinstellung in den Hüftgelenken wird ein in diesem Alter unphysiologisches Hohlkreuz veranlasst. Denn das Kind muss diese ungünstige Streckstellung mit einer veränderten Rückenhaltung ausgleichen, die keineswegs seinen anatomischen Gegebenheiten entspricht. Es sitzt nicht mit eher gerundetem Rücken in der Tragehilfe, sondern der Oberkörper ist gestreckt, die Schultern mehr nach hinten orientiert als leicht nach vorne gebeugt. Oft kann der Tragebeutel auch nicht hinreichend an die sich verändernden Körperproportionen infolge des normalen kindlichen Wachstums angepasst werden - und auch nicht an die körperlichen Gegebenheiten der Eltern. Das Kind hängt zu tief, so dass das Tragen auf Dauer sehr anstrengend wird, oder Träger schneiden ein, sitzen falsch und drücken. Bei all diesen möglichen Unwegsamkeiten sollten die Eltern auf jeden Fall vor dem Kauf den Tragesack mit Kind ausprobieren. Inzwischen gibt es manchmal die Möglichkeit, Tragehilfen auszuleihen und mehrere Tage zu testen, eine sehr elternfreundliche Haltung, da oft die Probleme der tragenden Personen erst nach einer etwas längeren Wegstrecke spürbar sind. |
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